RICOLETTAS WELT

Rico rockt …

Im zarten Alten von etwa … ach, es ist also schon ziemlich lange her, lernte Rico einst ein sehr nettes Mädchen kennen. Es dauerte nicht lange, da weckte ihre Gitarre, genauer: eine wundervolle klassische Konzertgitarre, mindestens die gleiche Aufmerksamkeit wie sie selbst zuvor – ähem, das Mädchen, nicht die Gitarre. Es muss also jenes Alter gewesen sein, in dem Jungens zaghaft beginnen, sich für Mädchen zu interessieren – und die sind bis dahin bekanntlich alle doof …

Zu der Zeit begann sich auch allmählich sein musikalischer Geschmack zu entwickeln: Deep Purple, Scorpions, Status Quo, Ted Nugent, Black Sabbath und viele ähnliche. Parallel dazu verbesserten sich seine Fähigkeiten als Gitarrist und er wechselte bald vom autodidaktischen Lernen zu ernsthaftem klassischem Unterricht.

Dann geschahen nahezu gleichzeitig zwei Dinge. Erstens: Die „Etudes Simples VI-X“ (Leo Brouwer) waren nun wirklich nicht so einfach wie behauptet. Wer als Anfänger mal versucht hat, Akkorde über VIER Bünde einer Akustikgitarre zu greifen, weiß, was gemeint ist. Wie man da von einfachen Übungen (Etudes Simples) sprechen kann, wird wohl ewig unergründet bleiben.

Und, Nummer zwei: Nach der Schule fand Rico sich plötzlich in der „Abteilung für Unterhaltungselektronik“ des örtlichen Musikhauses wieder. Dort stellte er nach kurzer Eingewöhnung dann fest, dass mit den elektrischen Gitarren alles ein klitzekleinesbisschen leichter funktioniert. Jeder, der eine vergleichbare Erfahrung gemacht hat, wird jetzt vermutlich augenzwinkernd zustimmen.

Das rockt ...

Das rockt ...

Und natürlich dauerte es nicht lange, bis Rico den Gegenwert all seiner Ersparnisse (und noch etwas mehr) erstand und somit stolzer Besitzer einer elektrischen Gitarre war, ein zierlicher Les-Paul-Nachbau fernöstlicher Herkunft mit grandioser Optik und solidem Klang. Von da an verbrachte Rico fast jeden Nachmittag in besagtem Musikhaus und widmete sich hingebungsvoll den angebotenen Instrumenten und testete ausgiebig im dafür vorgesehenen abgeteilten Raum. Dort hing ein Schild: NIEMALS, UNTER KEINEN UMSTÄNDEN, IST ES ERLAUBT, „STAIRWAY TO HEAVEN“, „SMOKE ON THE WATER“ ODER „HELLS BELLS“ BEIM AUSPROBIEREN DER INSTRUMENTE ZU SPIELEN!!! Dass die Mitarbeiter des Ladens nicht annähernd die gleiche glühende Leidenschaft empfanden, konnte er anfangs nur schwer verstehen.

Die klassische Karriere war dann alsbald auch beendet und um sich sein Hobby finanzieren zu können, gab Rico in eben jenem Musikhaus den ganz, ganz blutigen Anfängern Anfängerunterricht. Thomas, ein Mitarbeiter des Ladens, zu dem sich ob Ricos häufiger Besuche bald ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt hatte, bat ihn eines Tages mal vertretungsweise einzuspringen und, nach leidlichem Erfolg, erklärte Rico sich bereit, seinen unterschiedlich talentierten Schülern elementare Dinge wie „Ein-Anfänger-Der-Gitarre-Habe-eifer“ – den Merksatz für die Benennung der einzelnen Saiten beizubringen. Als Wiedergutmachung dafür erweiterte sich sein Equipment um einiges Brauchbares.

RudeDude-Picks

RudeDude-Picks

Rico spielte in verschiedenen Bands, deren Repertoire sich durchweg auf die üblichen zeitgenössischen Stilrichtungen verlegt hatte und später kam auch ein bisschen Tanzmusik bei diversen Karnevalsveranstaltungen hinzu. Eines der ambitioniertesten Projekte führte ihn dann ins Tonstudio, in dem Demos für das begehrteste Podium aufstrebender Bands produziert wurden, das über alle regionalen Grenzen hinaus bekannte und Altstadtfest. Wochenlang wurden Sonderproben kurzfristig einberufen, neue Ideen umgesetzt und akribisch an Details feingeschliffen.

Das Demotape wurde der Jury vorgelegt und noch bevor eine Entscheidung getroffen war, hatte sich die Band in alle Himmelsrichtungen in die Sommerferien verabschiedet. Trotz der  vielen Mühe war die Hoffnung, zugelassen zu werden, eher gering – die Konkurrenz riesig. So kam der Anruf zwar äußerst überraschend aber zu spät: Wir sind angenommen!! Jörg, der Drummer, hatte den halben Nachmittag am Telefon sitzend damit verbracht, die Nachricht in den einzelnen Hotels zu hinterlassen. Twix hieß damals noch Raider und Mobiltelefone hatten Aktenkofferformat, und blieben einer exklusiven Klientel vorbehalten. Bekümmerndes Ende der Angelegenheit: Es war unmöglich alle Bandmitglieder rechtzeitig aus dem Urlaub zurückzuholen und so musste die Teilnahme, der Not gehorchend, abgesagt werden.

Die Band löste sich auf: 20 Monate Zivildienst in einem über 200 km entfernten Kuhkaff bedeuteten dann auch das Ende der vielversprechenden Karriere als weltweit gefeierter Rockstar. Rico stieg schweren Herzens aus der Band aus – Gitarristen sind ersetzbar. Jörg wollte Berufsmusiker werden und nahm das Studium auf, der Rest wechselte zu anderen Bands.

Ricos persönliche Vorlieben hatten mit den Jahren eine Wandlung erfahren. Die deckten das ganze Spektrum zwischen Jazz-Rock, Funk, Metall aber auch Progressive, Southern Rock und gelegentlich Klassik ab. Interpreten und Bands wie Al di Meola, Frank Zappa, Joe Satriani, The Tubes, Saga, Dream Theater oder ZZ-Top hatten seinen musikalischen Rahmen immens erweitert …

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Kapitelübersicht

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