RICOLETTAS WELT

Mit Schirm, Charme und …

Es war schon ein paar Tage her. Rico hatte im Forum die Geschichte vom SUZUKI-Blues veröffentlicht und damit einige unerwartete Reaktionen ausgelöst. Und dabei ist „unerwartet“ eine Formulierung, die nur sehr vage die entstandene Resonanz wiedergibt …

Christian, der Administrator des Supermoto-Forums, war auf die Geschichte aufmerksam geworden und nahm zu Rico Kontakt auf. Er wolle die Story auf der „Titelseite“ präsentieren und würde dazu noch entsprechende Fotos benötigen. Rico war sofort einverstanden aber er konnte nur Fotos anbieten, die entweder ihn oder das Motorrad zeigten. Beide zusammen waren nicht in verwertbarer Form abgelichtet. Die kurze Erkundigung hierzu, wie denn das Thema des Fotos gehalten sein sollte, beantwortete der Admin so: „Das Foto soll ausdrücken, wie sehr Du Deine Suse liebst“.

Du meine Güte! Wie soll man so was in einem Foto wiedergeben?? Einige Zeit, unzählige unbeantwortete Fragen später war die Entscheidung gefallen: Rico würde die Suzuki in der Art eines Gridgirls „beschirmen“. Soweit die Idee. Die Umsetzung war schon etwas komplizierter.

Tatort war dann die Straße, direkt vor Ricos Haus und direkt vor den Augen seiner Nachbarn. Dazu muss man wissen, dass das Dorf, in dem Rico mit seiner Familie sesshaft geworden war, in einem etwas abgelegenen Hochtal des Schwarzwaldes liegt und dessen Ureinwohner sich nur behutsam mit fremdartigen Dingen vertraut machen. Elektrizität, fließendes Wasser – Selbstverständlichkeiten, die in diesem Teil der Zivilisation noch als Errungenschaft gefeiert werden.

So ist vielleicht auch verständlich, dass schon die Vorbereitungen zu den Fotoaufnahmen zunächst zwar argwöhnisch begutachtet, dann aber schnell mit gewohnt verwundertem Stirnrunzeln zur Kenntnis genommen wurden – Rico war inzwischen hinlänglich bekannt für Ungewöhnliches.

An dieser Stelle sei eine Zwischenbemerkung gestattet: Zu der Fotosession existiert auch ein so genanntes „Making Off“, eine Dokumentation, wie am Ende eines langen Tages ein Produkt gefertigt war, was in dieser Form bisher einzigartig ist. Leider verbieten es gewisse gesellschaftliche Konventionen, moralische Grundlagen und nicht zu letzt zahllose juristische Drohungen, die erwähnte Schilderung auch zu veröffentlichen.

Der Bericht auf der Startseite von Supermoto.de konnte sich dann auch in kürzester Zeit eines vielstimmigen Echos rühmen. Vielleicht weniger wegen der darin enthaltenen Geschichte als vielmehr durch die dazugehörige Illustration. Das Foto hatte bei der hackfressigen Bande die erwarteten Reaktionen ausgelöst. Dennoch zuletzt geadelt durch die Tatsache, dass Klaus, inzwischen lieber Freund und sicherer Lotse durch kleine Untiefen im Forumsgewässer, eine erstaunliche Bitte an Rico herantrug: Er wollte, dass Rasmus bei seinem letzten Rennen in Freiburg auf ähnlich liebevolle Weise „beschirmt“ werden sollte. Rico informierte sich kurz zum geplanten Ablauf und sagte belustigt zu.

Wenige Wochen und viele PMs später war es soweit. Rico kannte inzwischen jedes Detail der ruhmreichen Karriere, die Rasmus seinem unpanischen Freund beschert hatte. Überhaupt: Rasmus. Wer diesen Namen hört, assoziiert damit zwangsläufig einen behaarten Riesen im Wikingerformat. Wortkarg, brummend, mit stets schlechter Laune aber freundlichem Charakter. In dieser Hinsicht passten nopa und Rasmus tatsächlich bestens zueinander.

Der Supermotopark im Gewerbegebiet Breisgau war leicht zu finden, die scheinbar üblichen Schlägereien mit den Aufpassern mit Türstehermentalität endeten mit einem klaren Unentschieden. Rico verbuchte dies trotzig auf der Habenseite und so standen die Beiden sich lächelnd endlich gegenüber. Nach einer kurzen Umarmung und einer noch herzlicheren Begrüßung marschierten Klaus und Rico durch das Fahrerlager und es schien, als würden die zwei sich schon ewig kennen. In unmittelbarer Nachbarschaft hatten andere Fahrer ihren Platz gefunden und einige von ihnen kannte Rico schon von anderen Veranstaltungen. Jasmin, ihr Lieblingsmotiv, Diefe, und der Nasenstrontz waren die Vertrautesten darunter.

Klaus wirkte nervös, erklärte, dass das Zeittraining anstünde und seine bisherigen Leistungen nicht all zu optimistisch zu bewerten waren. Sie verabredeten einen unheimlich komplizierten Geheimcode. Rico würde im Helferbereich den Zeitenmonitor beobachten und gestenreich den Stand des Trainings und nopas Platzierung anzeigen. Nach wenigen Runden kamen die ersten Fahrer, sich die schmerzenden Unterarme massierend, an die Box und hypnotisierten meist erfolglos die Tabelle mit den Rundenzeiten. Auch Klaus kämpfte mit „dicken Armen“ und hatte einen deutlichen Rückstand auf den Rest des Feldes. Rico gab ihm eine kurze Übersicht und schickte Rasmus mit einem Klaps wieder los. Die Art in der Ross und Reiter miteinander kämpften – miteinander, nicht gegeneinander – erweckte den Eindruck, als ob sich beide wie einst Don Quixote nach Leibeskräften gegen die übermächtige Maschinerie stemmen. Das Ergebnis ist jedem bekannt und so gelang es auch den Beiden trotz beständiger Steigerung nicht, das ersehnte Ziel zu erreichen.

Rasmus, Klaus und Rico hatten sehr unterschiedliche Strategien, mit der Enttäuschung umzugehen. Während nopa zusehends niedergeschlagen und unzufrieden das Training bilanzierte, mühte Rico sich trotzdem etwas Zuversicht und gute Laune zu verbreiten. Rasmus tadelte ihn wortlos – Rico hatte wohl die Tragweite nicht begriffen.

Ein kurzer Meinungsaustausch stellte klar: Rico würde seiner Aufgabe wie geplant nachkommen. Er zog sich um, schnappte sich einen großen gelben Schirm – eine Leihgabe als Ersatz für das kümmerliche Modell mit dem er angereist war – und marschierte tapfer zum Vorstart. Er stakste unbeirrt an den staunenden, teils fassungslosen Mitgliedern von Team Strongest und Mad Mäxle vorbei und hörte Bemerkungen, die einen Seemann vor Scham hätten erröten lassen. Dann bezog er, innerlich feixend, Stellung neben Rasmus und Klaus, die als Ersatzstarter darauf hoffen durften, doch noch mit der Meute ins Rennen geschickt zu werden. Rundum war nur das hektische Klicken der Kameras zu hören. Für den Bruchteil einer Sekunde trafen sich die Blicke der beiden – ob die Anderen das Schmunzeln der Drei bemerkten, war egal.

Ric%letta, Klaus und Rasmus - photobyk

Ric%letta (mit Schirm), Klaus (nopa, mit Helm) und Rasmus (mit 42) - photobyk

Traute, den Namen erfuhr Rico erst viel später; Traute war als verlängerter Arm der Rennleitung dafür zuständig, die Horde der Sonderlinge im Zaum zu halten. Rico hatte sie schon bei anderen Gelegenheiten bewundert: Im Vorjahr in St. Wendel, beim WM-Lauf, hatte sie auch den Vorstart be

wacht. Obwohl … ohne feststellbare Mimik stand sie eigentlich nur stoisch da und das Rudel der Rennfahrer gehorchte stumm, ohne dass auch nur einer in dem wilden Haufen ansatzweise einen Gedanken an eine freche Undiszipliniertheit verschwendet hätte.

Traute betrachtete kurz nopas „Gridgirl“ und für eine Winzigkeit bemerkte Rico – vielmehr: bemerkte Ricoletta, den Hauch eines Lächelns um ihre Mundwinkel. Die verspiegelten Brillen der anderen Fahrer vermochten kaum deren Verblüffung zu verbergen – kein Zweifel: für alle Beteiligten war es eine Riesengaudi!

Die Reaktionen im Forum waren eindeutig mehrdeutig! Hier ein kleiner Auszug aus den wiedergabefähigen Zitaten:

  • „echt ne coole hackfresse und so mutig…“
  • „K%rea“
  • „süßes paar“
  • „da wird dem k%lner warm um herz“
  • „mir wurd heiß in den Augen“
  • „süßes paar“
  • „dem war ein Mordsspass.“
  • „MEGABEPRUNTZ“
  • „Haha… geile Sache. Prost !“
  • „hauhauhau… scheint nen lustelichen we gewesen zu sein“
  • „Dem Ricoletta ist in dem Aufzug am Team Strongest/Mäd Mäxla Konglomerat vorbeigelaufen. Dem hat vor nix Angst.“
  • „habsch gesehen, wie dem Boddle das Megafon eingefroren iss“
  • „dem hat Stil“
  • „dem war Mordsgaudi. Dem redliche Vorstartdrache hat sogar ein kleines bisschen gelächelt“
  • „Sch’brech ab, diese graziele Haltung, echt der Hammer !!! Und dem hochroten Kopf mit dem schelmischen Grinsen daneben is durch nichts zu toppen.“
  • „Ich glaub echt ich muss nächstes Jahr zu diversen Veranstaltungen Zwangsurlaub beantragen, damit mir sowas live nicht mehr entgeht !!“
  • „Bruuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuutal! Dass dem Ricoletta dem durchgezogen hat. F E T T E S R E S P E K T“
  • „dem Rico is extrem redliche Hackfresse. Binsch froh, dem kennenzugelernt haben.“
  • „Geniale Aktion“

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Kapitelübersicht

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