RICOLETTAS WELT

Mittwoch, 26. August 2009

Plattensammlung

Filed under: Supermoto — RICO @ 03:12 (3:12 AM)

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Plattensammlung

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Mit Frost und Schnee hatte für Rico der überwiegend freudlose Teil des Jahres begonnen. Die Zeit der Ehrungen war gekommen. Nopa war zur Weltmeisterschaftsfeier von Bernd Hiemer eingeladen worden, der in der abgelaufenen Saison den Titel in der S1-WM gewonnen hatte. Rico durfte ihn als Gast begleiten und war daher bester Stimmung. Drei Backbleche mit Ricos „Pizza dopo il gusto del Papa“ später waren die Pläne für den Samstag gemacht – Klaus war schon am Vorabend angereist und so blieb noch Gelegenheit, gemeinsam ein Fläschchen Blähbrause zu lenzen.

Noch vor Reisebeginn informierte nopa sich aus erster Hand über den Stand der Dinge am Verkehrsübungsplatz in Karlsruhe-Maxau. Udo Nagel, Inhaber einer Motorrad-Meisterwerkstatt und Dealer u.a. für die beliebten Schlittenhunde aus italienischer Fertigung, hatte mit riesigem Engagement und einigem Herzblut auf dem besagten Gelände im Industriegebiet eine bestens präparierte Trainingsmöglichkeit für die Schräglinge geschaffen. Doch schon bald gab es erhebliche Schwierigkeiten. Wie schrieb Schiller einst in Wilhelm Tell: „Es kann der Frömmste nicht im Frieden bleiben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“ Zunächst wurden die Trainingssitzungen am Nachmittag ausgesetzt und zuletzt musste die Tagesveranstaltung am 3. Oktober komplett abgesagt werden.

Auf dem Weg ins Allgäu – die Meisterfeier sollte in Hiemers Heimatort Friesenhofen bei Leutkirch stattfinden – gab es kaum Berichtenswertes, wenn man mal von Ortsnahmen wie „Ewigkeit“ und „Urlau“ ohne „B“ absieht. Selbst die beliebten kreisförmigen Kreuzungen trauten sich kaum in diese Gegend. Mit Einbruch der Dunkelheit zog Nebel auf und machte die ohnehin schon schwierige Navigation fast unmöglich. Natürlich ließ Rico sich nicht aus der Ruhe bringen und dirigierte mit gewohnter Lässigkeit souverän durch nahezu unerschlossene Landstriche. Die verborgenen Pfade, die nur den Eingeborenen bekannt sein konnten, hatten jedoch schnell ihren Schrecken verloren und als nopa einen passenden Stellplatz für das Panic Mobil gefunden hatte, konnte es endlich losgehen – fast pünktlich.

Die Halle war festlich geschmückt, zur Stirnseite erhob sich die Bühne, auf der das WM-Motorrad – oder zumindest eines seiner sicher zahllosen Geschwister – zusammen mit einer ansehnlichen Sammlung an Pokalen Platz gefunden hatte. Dahinter hatte der örtliche Musikverein Stellung bezogen, der die Pausen mit bemerkenswert gut präsentierten, modern orientierten Titeln überbrückte. Im Vordergrund das Rednerpult, an dem die Interviews geführt wurden. So war bald jeder Gast mit den wichtigsten Informationen versorgt – vom Vater, vom Bürgermeister, von Hiemers Grundschullehrer und natürlich von Bernd selbst. Den Abschluss des offiziellen Teils bildete dann auch dessen Dankesrede, an deren Ende Rico dann aber doch dezent enttäuscht die Erwähnung der beschwerlichen Anreise im Panic Mobil vermisste. Das Allgäuer Musikkorps wich alsbald einem eigens engagierten DJ, dessen Leistungen für den Rest des Abends am Besten mit „schwankend“ zu beschreiben sind.

Zwischen den ersten Gläsern und der Ankunft des besten Admins im www, in dessen Gefolge sich „Jessi“ Rutzl und seine Freundin befanden, kam der große Augenblick: Klaus und Rico näherten sich dem Champion und durften Bernds Hand schütteln. Mit der Konsequenz, dass er sogleich beschloss, diese Hand nie wieder waschen zu wollen. Rico outete sich, in dem er dem sichtlich überraschten Gastgeber gestand: „Ich habe alle deine Platten!“

Der weitere Verlauf ist dann auch schnell berichtet. Die Performance des erwähnten DJs gab immer wieder Gelegenheit zu einer kleinen Zigarettenpause vor der Halle – und das, obwohl Rico schon seit weit mehr als zehn Jahren nicht mehr rauchte. In einer dieser Pausen lernte er den persönlichen Mechaniker von Ruben Xaus, der in der kommenden Saison für das neue BMW-Team in der Superbike-WM starten würde, kennen. Der fachsimpelte mit Rutzl und erklärte, dass die beteiligten Entwicklungsingeneure gewissermaßen an den Bedürfnissen vorbei orientiert seien – ein Satz, der sich doch nachhaltig einprägte.

Unterdessen hatte der Forumsadmin den Pressekoordinator von „Youthstream“, Daniele Rizzi, in seine Gewalt gebracht und zwang ihn, Unmengen des angebotenen Erzeugnisses aus der Region zu trinken. Die ersten drei Gläser eines dort ansässigen Brauers waren durchaus lecker und süffig aber danach schmeckte es einfach nur nach Bier. Der dauerhafte Genuss verursacht allerdings schwerste Sprachstörungen und lässt die Menschen der Region in einer Mischung aus bayerisch, schwäbisch und alkoholisch kommunizieren.

Auch Ricos Fremdsprachenkenntnisse mussten unter Beweis gestellt werden und so absolvierte er das mündliche Examen mit „Dove sono i gabinetti?“ (Wo sind die Toiletten?) Signore Rizzi zeigte sich augenscheinlich tief beeindruckt.

Über die Details des weiteren Verlaufs gehen die Meinungen auseinander. Zum einen, weil zu vorgerückter Stunde die Konzentrationsfähigkeit einiger Gäste stark nachließ – zum andern, weil verschiedene Begebenheiten nicht einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können. Einzig die geplante Liveschaltung zu einer Außengruppe einer bekannten Splitterfraktion im südwestbadischpfälzischen Wemsgebiet scheiterte an simplen technischen Gegebenheiten: in der riesigen Friesenhofen-Arena war leider kein Mobilfunknetz zu finden.

Immerhin wurde Rico später erfolgreich von nopa daran gehindert, sich ein Bein oder andere wichtige Körperteile abzusägen, während er den Rest der Nacht dazu nutzte, die Brennholzvorräte aufzustocken.

Der Morgen begann sonnig aber frostig. Bei Tageslicht sah die Landschaft freundlich, fast einladend aus, wenn man mal vom Schnee absieht. Das erste vorbeikommende Schnellrestaurant sollte die beiden mit dem zunächst Lebenswichtigsten versorgen: Kaffee. An zwei verschiedenen Theken konnte bestellt werden. Während Rico in kürzester Zeit einen durchaus genießbaren Cappuccino im Supersize-Me-Format erhielt, wartete nopa noch immer darauf überhaupt bestellen zu können. Rico beschloss, sich vor der Tür noch etwas von der Sonne und der frischen Morgenluft zu gönnen. Irgendwann war der Riesenbecher geleert und von Klaus war noch immer nichts zu sehen. Etwas beunruhigt betrat er wieder den Laden und entdeckte seinen Freund an der Theke. Dieser klärte ihn ungefragt auf: Das bestellte Croissant war nicht zwingend Bestandteil des Wortschatzes der Mitarbeiter in der Küche. Auch die Zubereitung von Blätterteig, Schinken und sonstigen Zutaten schienen wenig mit dem Begriff Fastfood gemeinsam zu haben. Als Klaus schließlich doch noch seine Bestellung erhielt, wollte sich die Dame hinter dem Tresen mit einer kleinen Bestechung entschuldigen: „Darf ich ihnen als Entschädigung eine Apfeltasche anbieten?“, fragte sie. Ohne nopas Antwort abzuwarten entgegnete Rico: „Nein danke! So viel Zeit haben wir leider nicht.“

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Kapitelübersicht

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