RICOLETTAS WELT

Mittwoch, 26. August 2009

Parlare Italiano?

Filed under: Supermoto — RICO @ 06:06 (6:06 AM)

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Parlare Italiano?

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Nur noch knapp zwei Wochen. Es fing schon beim Gedanken daran an, heftig im Bauch zu kribbeln. Die Vorfreude machte sich zwischendurch immer wieder mit zwar kleinen aber höchst absonderlichen Ausbrüchen Luft. Rico ertappte sich häufiger dabei, wie er bei der Vorstellung an die Tage in Italien stumm vor sich hingrinste – genau die Art Grinsen, die einem diesen gewissen debilen Gesichtsausdruck verleihen kann. Vor Aufregung würde er die Hälfte vergessen und insgeheim tat ihm Klaus jetzt schon fast ein wenig Leid. Er wusste ja nicht annähernd, was er sich mit der Einladung eingehandelt hatte. Rico würde ihn während der Reise, während des Auspackens, des Aufbaus, einfach ständig mit Fragen zunächst dezent quälen und dann vermutlich irgendwann nerven. Er würde sich wie ein hysterisch kreischender Teenie aufführen, jede Selbstbeherrschung verlieren und von der sonstigen Gelassenheit würde irgendwann nicht das geringste übrig geblieben sein – wie uncool. Trotzdem würde es jetzt bald ernst werden. Ein richtiges Trainingslager mit vielen Gleichgesinnten und noch dazu im Ausland – aufregend, berauschend, überwältigend … Rico fand keine passende Umschreibung, die seine Gedanken und Gefühle in diesem Augenblick auch nur annähernd treffend veranschaulichen könnten. Zeit für den Hometrainer.

Ach, und die Packliste musste ja auch noch erstellt werden. Gleich im Anschluss daran ist es bemerkenswert hilfreich, die Liste um 50 Prozent zu kürzen und wirklich nur die wichtigen Sachen zu notieren. Wenn man davon wiederum nur die Hälfte mitnimmt, würde alles Brauchbare im Überfluss vorhanden sein.

Stevie Ray Vaughan hatte Ricos alte Liebe zum Blues neu entfacht. Musik überhaupt. Vom Handwerk zur Kunst. Seit seinem 16. Lebensjahr etwa hatte Rico sich immer fleißig aber mit einigermaßen wechselhaftem Erfolg mit seinen verschiedenen Gitarren befasst, von den er zwischenzeitlich eine Handvoll besaß. Zunächst unter Anleitung klassisches Exercitium genießend hatte er dann als Autodidakt weitergelernt und spielte bald darauf in verschiedenen Bands. Eine höchst interessante Zeit, in der Rico außergewöhnlich viel Spass hatte. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass er sich fortan mehr in Musikläden und Proberäumen aufhielt, als zu Hause oder in der Schule – doch davon vielleicht später etwas mehr. Die Seite dazu gibt es hier.

Seit jenem Tag im November war nun einige Zeit vergangen. Inzwischen hatte Klaus auch sein neues Wemsmobil in Besitz genommen, dass nun für seine „Jungfernfahrt“ vorbereitet wurde. Es würde für die Woche in Italien Schlafzimmer und Küche, Garage und Werkstatt für die Vier sein. Und natürlich Lastesel, der gemütlich kauend Kilometer für Kilometer unermüdlich knabbert. Bleibt nur noch zu erwähnen, dass das Panic Mobil äußerlich zwar kompakt und übersichtlich aussieht, innen aber die Ladekapazität eines mittleren Frankfurter Flughafenhangars bietet. Trotz dieser unglaublichen Dimensionen fand Ricos geliebtes Kopfkissen leider keinen Platz mehr und musste schweren Herzens zu Hause gelassen werden – um ehrlich zu sein, er hatte es schlicht und ergreifend vergessen …

Das regnerische Wetter begleitete sie bis zum Gotthardtunnel. Danach wurden die Sonnenbrillen ausgepackt. Erst wegen des Schnees und dann wegen der prächtig strahlenden Sonne.

Der Grenzübertritt nach Italien gestaltete die Reise dann wenigstens etwas abwechslungsreicher. Um Zöllner werden zu dürfen, müssen Bewerber schon in frühester Jugend einen Gesichtsausdruck einüben, der vermitteln soll: Vorsicht! Ich ernähre mich ausschließlich von Zitronen, Brennesseln, Batteriesäure und Essigkonzentrat – und ich habe heute ganz besonders schlechte Laune. Wenn man dann einer gefühlten Hundertschaft grimmiger Gesichter italienischer Zöllner begegnet, die sich zu dem auch nicht einig sein kann – lassen wir die „Tedesci“ jetzt durch oder wollen wir sie mal gründlich filzen – dann ist Zurückhaltung noch die vorsichtigste Empfehlung für das weitere Verhalten.

So dauerte es auch nicht lange und Rico schloss mit dem ihm zugewandten Beamten innige Freundschaft. Denn nach dem dieser merkte, dass er sich redlich bemühte mit ihm in seiner Sprache zu kommunizieren, war seine herzliche Einladung zur Hochzeit seiner jüngsten Tochter die einzig logische Reaktion. Überaus geschickt und unerschrocken wie Rico nun mal ist, schaffte er es auch, das Fehlen der Papiere für den treuen Rasmus zu erklären – was auch durch Klaus‘ unterstützende Bemerkung „… only for Racing …“ die tief empfundene Ehrfurcht der Zöllner erklärt.

Die italienische Straßenverkehrsordnung sieht sich in der glücklichen Lage, dass die darin enthaltenen Vorschriften eher als freie Interpretation denn als tatsächliches Muss verstanden werden können. Diesem Umstand Rechnung tragend, hielt sich auch die Anfahrtsbeschreibung nicht lange mit lästigen Details auf sondern wollte lediglich als grobe Orientierungshilfe dienen. So blieb auch die Frage „Wo liegt eigentlich dieses Castelletto?“ lange Zeit ein Rätsel, an dessen Lösung der Zufall dann aber auch ein wenig mithelfen durfte. Zum Ausgleich dafür konnte Klaus ausgiebig das Fahrverhalten des Panic Mobils im Kreisverkehr testen.

Linie, Sitzhaltung, Blickführung, die Arbeit auf dem Motorrad – alles Begriffe, die Rico zwar schon gehört hatte aber ihnen keinen wirklich sinnvollen Inhalt geben konnte. Und diese Begriffe sollten dann auch für die nächsten vier Tage das Programm bestimmen. „Arme hoch!“, war das Kommando, das von nun an, meist pantomimisch unterstützt, den geneigten Teilnehmern geduldig und unaufhörlich eingetrichtert wurde. Was man beim Motorradfahren im Allgemeinen und beim Supermoto im Besonderen alles falsch machen kann, demonstrierte Rico eindrucksvoll auf den ersten Runden in Castelletto. Fahrpraxis auf der Straße hat nichts mit dem zu tun, was hier gefordert ist. „Lass’ das mit dem Driften“, war Felices gut gemeinte Bitte, die zu den ersten Verbesserungen gezählt werden sollte. Das regelmäßige Fahren einer sauberen Linie bei gleichzeitiger Lockerheit, wobei aber trotzdem die ausreichende Körperspannung und aufmerksame Beobachtung der Streckenführung nicht außer Acht gelassen werden soll? Kein Problem, wenn man – ARME HOCH!! – also, kein Problem, wenn man sich nur ein bisschen konzentriert.

Klaus hatte sich in Schale geworfen und trug zum eleganten Anzug nagelneue Alpensterne, die jedem hochglanzpoliertem Maßschuh feinster italienischer Handwerkskunst à la Gatto oder Bestetti in Nichts nachstehen. Nach der Mittagspause wurden die verschiedenen Gruppen wechselweise auf die Strecke gelassen – später auch mit Offroad, der für einen absoluten Neuling trotzdem erstaunlich gut zu bewältigen war. Überhaupt kann man den Betreibern beider Strecken nur zur vorbildlichen Präparierung gratulieren, was man allerdings von den Sanitärbereichen nur zurückhaltend behaupten darf. Aber Rico war ja nicht zum Duschen nach Italien gekommen.

Das freie Fahren brachte schnell die Gewissheit, dass die bisherigen Runden in Walldorf und Kronau nur wenig mit dem gemein haben, was für das Bestehen auf einem solchen Kurs notwendig ist. Und Nopas Coaching brachte vorerst zwar keinen äußerlich sichtbaren Erfolg, half aber immens die Komponente „Kopf“ nachhaltig in den Griff zu bekommen. Schon am folgenden Tag konnte Rico sich erheblich besser auf die Umsetzung – ARME HOCH!! – des Gelernten konzentrieren, was ihm einen Großteil an Leistungsfähigkeit über einen erheblich längeren Zeitraum bescherte. Er freute sich, hatte er doch wieder was begriffen …

Eine kleine Gruppe unter den Teilnehmern wollte sich wohl die Kräfte für die kommenden Tage etwas besser einteilen und schlug vor, den Streckenverlauf minimal zu kürzen. Widerstrebend würden sie auf das Fahren im Offroad verzichten wollen, was von den anderen Fahrern, die ja schließlich nicht zum Spielen im Dreck sondern zum Supermotofahren angereist waren, reserviert und mit unterdrücktem Jubel zur Kenntnis genommen wurde. Kurzerhand wurde das Programm also geändert und gab damit den Befürwortern der schmutzig-staubigen Variante die Gelegenheit, den vorgesehenen Streckenwechsel etwas früher vorzunehmen.

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Kapitelübersicht

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1 Kommentar »

  1. 🙂

    Kommentar von RICO — Samstag, 28. Februar 2015 @ 11:26 (11:26 AM) | Antwort


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