RICOLETTAS WELT

Mittwoch, 26. August 2009

Haftungsverzicht

Filed under: Motorrad,Supermoto — RICO @ 03:12 (3:12 AM)

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Haftungsverzicht

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Wenigstens der Abschluss der Saison sollte dann noch versöhnlich sein. Rico hatte schon freitags sämtliche großen und kleinen Kleinigkeiten ge- und verpackt, natürlich später alles mehrfach kontrolliert und abends schließlich mit einem Schluck aus der Bügelflasche auf den Samstag beim Team G.F. angestoßen.

Wie üblich fand Arthur erst nach langer Suche Rico in der Liste der braven Frühzahler. Und wie üblich begrüßte Carolin Reiber, die sich auf unerklärliche Weise in der Gestalt Jürgen Löfflers verbarg, die Wemswilligen mit gewohnt rollendem „R“, das auf gestenreiche Unterstützung wohlwollend verzichten konnte.

Technische Abnahme, Gruppeneinteilung und Zeitplan – dann konnte es endlich losgehen. Diesmal wollte Rico alles unter Kontrolle behalten. Das Missgeschick von Freiburg sollte ihm nicht wieder geschehen. In Villars hatte er es ja auch geschafft, mit dem ersten Wurf alle Neune abzukegeln. Die erste Runde, gemächliches Tempo – Runde zwei … und in der Doppellinks nach der Geraden passierte es: ein klitzekleiner Zupfer am Gas und die Geisha stand sofort quer. Hui, da war Rico doch schlagartig geweckt. Die Streckentemperatur war in der vergangenen Nacht in einstellige Bereiche gesunken und die Reifen erreichten nicht die notwendige, vertrauenerweckende Betriebstemperatur. Das war, nicht zuletzt dank des Ratschlags eines ausgewiesenen Reifenluftdruckexperten, schnell behoben. Wissenschaftliche Akribie wich jahrelanger Erfahrung und für den Rest des Training blieb Rico auch von solchen ungewollten Zwischenfällen verschont – sieht man mal vom letzten Turn ab, wo mal wieder der Offroad zu einer ausgiebigen Bodenprobe einlud.

Dazwischen lief es teilweise richtig gut und Rico schaffte es, immer wieder mehrere flotte Runden am Stück fehlerfrei und halbwegs gleichmäßig zu fahren. Und so wurde er auch mit kleinen Erfolgserlebnissen belohnt – er konnte sich gegen die meisten Fahrer seiner Gruppe behaupten und ihm gelangen sogar einige Überholmanöver – das Grinsen im Gesicht wechselte sich immer wieder mit konditionsschwachem Hecheln ab.

... mit der Schwarzen Geisha in Kronau

Die Mittagspause füllte Rico mit Fahrwerkseinstellungen an seiner Suse. Ronny von White Power Suspension Germany stand ihm mit viel Geduld und noch mehr Fachkompetenz zur Seite. Mit seinen Wunderhänden, einem Klick hier und einem Dreh da zauberte er die berühmte Sekunde ins feinjustierte Fahrwerk – wenn auch 75% davon sicher reine Kopfsache waren.

Die Forumskollegen hatten sich unterdessen darauf geeinigt, bodenständige Leistungen zeigen zu wollen und lediglich der Fachmann für wirklich schmutzige Angelegenheiten ließ es sich nicht nehmen, dem Begriff Haftungsverzicht eine völlig neue Bedeutung geben zu wollen, in dem er rundenlang den Offroad querbeschleunigend verließ. Da konnten selbst Michi Herrmann, Ralf Rausch und der schnelle Rest nicht annähernd konkurrieren. Unbestätigten Gerüchten zu Folge, sollen eben diese Schnellwemser ihren daraus entstandenen Kummer bei der abendlichen Abschlußveranstaltung in Unmengen von alkoholischen Getränken ersäuft haben.

Auch der Grafikgott hatte sich dazu entschlossen, die Aufmerksamkeit der zwischenzeitlich angereisten Jessica Baruth auf sich zu ziehen und präsentierte kurzentschlossen den neuesten Trick aus seinem reichhaltigen, spektakulären Stuntrepertoire: Frontwheel-Lock-up-Lowside-to-lazy-Boy … dafür wurde er immerhin mit einer Taxifahrt ins Fahrerlager belohnt – ein Privileg, das neidvoll vom Publikum bestaunt wurde. Rico ließ es sich nicht nehmen, das Makita-Rennpferd, das er ja schon in Villars etwas näher kennen lernen durfte, zurück in seinen Stall zu geleiten.

Weitere sensationelle Nachrichten sickerten dann später bei der traditionellen Preisverleihung durch: Es wurden Proben eines Präparates verteilt, dass es eigentlich erst im kommenden Jahr gibt – manchmal sind Wemser ihrer Zeit weit voraus …

Wieder November. Im Forum wurden eifrig Pläne für die nächste AZP geschmiedet. Die Spendenaktion für Flo lief auf Hochtouren und auch sonst war alles im grünen Bereich.

Johnny Kotletti hatte Rico gefragt, ob er Lust hätte auf einer der elsässischen Strecken ein wenig Cross zu trainieren. Natürlich – egal wie blamabel es werden würde … man muss alles mal probiert haben. Ein kurzes Telefonat später waren alle notwendigen Absprachen getroffen. Dank ausgezeichneter Beschreibung konnte Rico ohne Umwege die Strecke finden – obwohl das einzige Hinweisschild eher unauffällig am Straßenrand angebracht war. Die kurze Begrüßung auf Französisch reichte völlig, um den Streckenbetreiber zu dem Satz, „sie können auch deutsch sprechen“ zu veranlassen. Satte elf Euro reicher und einen nachdenklichen Blick auf das abgefahrene Straßenprofil an der Geisha werfend bedeutete er Rico mit einer Handbewegung, dass ihm das Gelände uneingeschränkt zur Verfügung steht.

Nach einer Informationsrunde, auf der Johnny ihn auf die Besonderheiten des Kurses aufmerksam machte, konnte Rico sich auch von der Bodenbeschaffenheit ein genaueres Bild machen. Die neuen Handprotektoren schützten dabei sehr effektiv den Kupplungshebel.

Rico versuchte durch Senken des Luftdrucks den Reifen wenigstens ein Minimum an Grip abzufordern – erfolglos. So blieb ihm nichts weiter übrig, als mit leidlich flüssiger Fahrweise Kurs und Linie zu lernen. Die Pausen dazwischen dienten dem eingehenden Studium der Crosser, die routiniert und mit beachtlichem Sprungvermögen Rico stille Bewunderung abnötigten. Außerdem erholte sich die übersäuerte Muskulatur, während er um Luft ringend den anderen Fahrern zusah. Inzwischen hatte er sich auch auf die schmierig-schwierigen Bedingungen eingestellt und konnte sich sogar zu kleinen Sprungeinlagen mit immerhin sichtbarer Flughöhe steigern.

Johnny hatte die Strecke als „überwiegend trocken“ bezeichnet. Das schmatzende Geräusch des Vorderrades und das Heck, das auch auf den Geraden wie ein aufgeregtes Lämmerschwänzchen wedelte, ließen durchaus einen geringfügig abweichenden Eindruck vom Belagzustand entstehen. Trotzdem verbesserte sich Rico zusehends und zwischenzeitlich hatte er richtig Spaß an dem „neuen“ Fahrgefühl. Kein Zweifel, hier würde er zukünftig weitere Ründchen drehen.

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Kapitelübersicht

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