RICOLETTAS WELT

Mittwoch, 26. August 2009

Fatsuit

Filed under: Supermoto — RICO @ 00:32 (12:32 AM)

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Fatsuit

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Dann fuhr endlich das Jeason#74-Werksteam samt Renntruck, Catering– und Mechanikertruppe vor. Eindrucksvoll, wie plötzlich die Abendsonne hinter dem in Ricos Vorgarten parkenden Schwerlastzug verschwand. Nach einem kurzen Kaffeepäuschen wurden die notwendigsten Kleinigkeiten verstaut und es wäre sicher auch noch mindestens Platz für Ric%lettas Schminkutensilien gewesen.

Sekundenbruchteile später hatte Lars einen Stellplatz im Fahrerlager mit netter Nachbarschaft gefunden und der Abend hätte eigentlich geruhsam und störungsfrei ausklingen können. Rico besuchte seinen Freund Klaus, nötigte ihm seine Schlafzimmereinrichtung auf und beim Genuss des einen oder anderen kühlen Getränks wurden die üblichen Anekdoten zum Besten gegeben. Rückblickend lässt sich nicht mehr schlüssig klären, wer den verwegenen Entschluss gefasst hatte: Bei aufziehendem Nebel und Vollmond wurde die Strecke zu Fuß inspiziert und Ricos Vorstellung, hier mit dem Motorrad fahren zu müssen, ließ ein mulmiges Gefühl in ihm entstehen. Das war ja schon mit Schuhwemsen kaum zu schaffen.

Von solchen Eindrücken völlig unberührt blieb unterdessen einer der anonymen K%reaner, der den Abend zunächst sitzend in embryonaler Haltung und später stehend, lässig an einen Anhänger gelehnt, schlafend verbrachte. Bisher noch unbestätigte Quellen wollen ihn allerdings kurz zuvor noch bei einem höflichen Nachbarschaftsbesuch in der Nähe von Pfungstadt gesehen haben, was Zeugen in den späteren Befragungen allerdings nur widersprüchlich zu Protokoll geben konnten. Die Ermittlungen dauern an …

Dass der Begriff Morgengrauen schon vielfach zu mehrdeutigen Erklärungen herangezogen wurde ist ja längst nicht mehr neu. Dafür wurde aber das Morgenläuten kurzerhand durch einen, ansonsten eher isoliert lebenden, Mitwemsling aus dem benachbarten Ausland ersetzt – und blieb trotzdem ein relativ einseitiges Vergnügen. Der eben erwachte Zweitaktmotor brüllte seine Lebensfreude munter hinaus und ließ auch den Rest des Fahrerlagers an seiner frühmorgendlichen guten Laune großzügig teilhaben.

Die Fahrerbesprechung gestaltete sich kurz und die Teilnehmer der Wemsfreiheit 2008 ließen es sich nicht nehmen, vollzählig, ausgeschlafen und hoch motiviert eine Geschlossenheit zu demonstrieren, was den mit anwesenden Gästen aus den Niederlanden, Belgien und der Schweiz ehrfürchtiges Entsetzen in das erstaunte Mienenspiel bannte.

Gleich zu Beginn wurden die Wartenden durch Jochens Sturz aufgeschreckt. Mechanix hatte seinen Bremspunkt einigermaßen optimistisch gewählt und wurde für seinen Mut mit heftig geprellten Rippen belohnt. Er musste leider frühzeitig aufgeben. Diesem Beispiel folgend schaffte es auch Rico, an der gleichen Stelle eines seiner gefürchteten Manöver durchzuführen, was in einer anderen Sportart mit dem Ausruf „alle Neune“ bejubelt worden wäre.

Nach und nach eroberten sich die mitgereisten Sumoristi den Circuit. Rico versuchte, zunächst die Schlüsselstellen zu lernen und auf dem Rest des Kurses niemandem im Weg zu stehen. Seine ersten Eindrücke lassen sich mit einem Wort kurz zusammenfassen: GRANDIOS! Die Videos und Fotos, die er vorher intensiv studiert hatte, können nicht andeutungsweise den Charakter dieser außergewöhnlichen Strecke wiedergeben.

Ein lockerer Schwatz hier, die üblichen Neckereien dort – Rico fühlte sich in dieser Umgebung und bei diesen merkwürdigen Leuten einfach sauwohl. Fachsimpeln und dabei Ulis Bratpimmel erfreut bestaunen; die Kinder ersannen erstaunlich kreative Spiele, bei denen Kronkorken und Steine die Hauptrolle spielten. Zwischen den Pausen musste allerdings auch noch gefahren werden. Rico bekam zwar die Bremse wieder in den Griff, aber die Linienwahl und die Ausläufer der französischen Alpen, die merkwürdigerweise hier im Offroad ihren Ursprung hatten, bereiteten ihm noch große Schwierigkeiten. Der Kampf zwischen Überwindung und Kondition endete unentschieden, mehr als fünf Runden bekam Rico nicht hin. Immerhin blieb ihm die Bekanntschaft mit dem Streckenbelag erspart.

Dafür hatte es den Mechanix heftig erwischt. Den Brustkorb voller Prellmarken versuchte Jochen, gute Laune zu verbreiten und sich die Schmerzen nicht anmerken zu lassen. Er hatte sogar den Nerv, Rico zu einer Probe fahrt mit seiner schicken 450er einzuladen, fast aufzufordern. Er konnte nicht ahnen, dass Rico insgeheim fürchtete, dem Edelbike größeren Schaden zufügen zu können. Als er vom nächsten Turn zurückkam, war Jochen leider bereits verschwunden.

Bei den zahlreichen Plaudereien sog Rico jedes Detail in sich auf und bemühte sich, aufmerksam jede noch so kleine Winzigkeit im Gedächtnis zu behalten. Dabei waren die urkomischen Episoden, die vom Ende des Alphabets berichtet werden konnten, kaum zu überbieten. Chris saß, gemütlich an dem speziellen Pudding naschend, auf der Bank, verzog kaum eine Miene und fesselte seine Zuhörer mit unzähligen Kurzgeschichten, die immer wieder von Lachsalven unterbrochen wurden.

Nachdenklich und sehr erschöpft beendete Rico den ersten Tag. Wie alle Hochleistungsathleten mahnte er sich selbst, für ausreichend Schlaf und Erholung zu sorgen, sollte der Sonntag nicht nutzlos verstreichen. In seinen Schlafsack eingekuschelt, das Haupt auf sein geliebtes Kissen gebetet, flogen die Eindrücke noch einmal an ihm vorbei, erinnerte er sich an den vorhergehenden Abend: „Fatsuit“ – Rico musste spontan laut loslachen.

Der folgende Morgen begann, wie bei solchen Veranstaltungen üblich: Einige waren kurz nach Sonnenaufgang erwacht, genossen Schokocappuccino, frisch gegrillten Toast oder inhalierten den exklusiven Duft der tabakbesteuerten Hausmarke. Die Füllmenge einer handelsüblichen Männerblase wird allgemein mit ca. 1.500 ml angegeben – ein lächerlicher Durchschnittswert, den Rico ohne Umstände um ein Mehrfaches überbieten konnte. Auf seiner anschließenden Wanderung durch das Fahrerlager begegneten ihm Gesichter, denen er zu dieser Tageszeit noch keine Namen zuordnen konnte – aber er bemühte sich, freundlich zu wirken.

Das erste Highlight bildete der Kaffee, den Lars ihm – eben frisch gebraut – anbot. Allmählich erlangte er auch über den Rest seiner Körperfunktionen wieder die Kontrolle und schaffte es ohne größere Zwischenfälle, seine Schutzkleidung anzuziehen. Dabei entdeckte er immer neue Einzelheiten an Jeasons Rennanhänger – genial! Genau so würde ich es auch mal machen, dachte Rico.

Die schwarze Geisha und er rollten ein wenig durch die frische Luft, die Vögel zwitscherten, das Leben ist schön. Schön anstrengend – was ihm einige Minuten später die Gelegenheit gab, den kleinen Parkplatz am Rande der Strecke anzusteuern. Er störte ihn auch nicht weiter, wenn alle ihn mitfühlend betrachteten, als er, wie ein Jagdhund nach Luft japsend, kaum noch die Kraft aufbrachte, das tonnenschwere Mofa senkrecht zu halten.

Nappi, der Grafikgott des Forums, stellte sich zu ihm und machte seine angekündigte Drohung war: Rico sollte die RM-Z testen. Irgendeine höhere Macht half Rico dabei, seine letzten Reserven zu mobilisieren. Die Mopeds wurden kurzerhand getauscht, was für „Herrn Rossi“ doch ein willkommener Anlass war, das Glück mal auf einer DR-Z 400 zu suchen.

Schon im zweiten Versuch schaffte Rico es, das nervöse Rennpferd mit einem kräftigen Tritt zum Leben zu erwecken. Er war derart begeistert, dass er die Prozedur gleich noch mal wiederholte – wie er doch den kleinen Knopf am Lenker seiner Zette zu schätzen wusste. Gang rein und der Rest glich einem Comic. Das Rennpferd galoppierte los, ohne sich um Ricos Schreie zu kümmern, als dieser, wie ein buntes Fähnchen am Lenker flatternd, unkontrolliert, mit weit aufgerissenen Augen hinterher gezogen wurde. Weniger als eine Sekunde später hatten die beiden etwa Warp 3 erreicht, als Rico daran dachte, dass die Gerade jetzt bald nicht mehr gerade sein würde. Schon beim Gedanken an den Bremshebel setzte eine Verzögerung ein, die ihm das Gefühl gab, alle Organe würden plötzlich innen an den Brustkorb gequetscht.

Rico beschleunigte wieder etwas, denn bis zum Kurveneingang waren es schließlich doch noch ein paar Kilometer. Direkt, ungefiltert, brachial – und trotzdem funktioniert alles wie von selbst. Das Rennpferd hatte ihn mächtig beeindruckt, denn der anschließende Vergleich mit seiner Suse ließ ihn unvermittelt hart zurück in das Hier und jetzt kommen.

Was danach folgte, muss die Zuschauer an und auf der Strecke mit einer Mischung aus Mitleid und Erbarmen erfüllt haben. Aber dadurch sicherte sich Rico eine Reihe wertvoller Tipps, von denen er einen Teil sogar gleich umsetzen konnte. Er wusste jetzt, wie beispielsweise die Ratterei am Vorderrad im Omega ganz einfach in den Griff zu bekommen war – Danke Heizi. Und als Jan – viermal jünger aber auch viermal schneller – ihm nach der Mittagspause noch ein wenig Linienkunde vermittelte, konnte Rico schon ein Zehntelchen schneller fahren.

Den letzten Schliff gab es dann vom Ende des Alphabets: Haltung und Belastung auf dem Bike – Rico lernte immer mehr und konnte auch irgendwann seine Flugangst bei der Überquerung der Hochgebirgskette überwinden. Völlig platt aber stolz nahm er die Glückwünsche des begeisterten Publikums entgegen. Bemerkungen wie „… gar nicht so schlecht …“ ließen ihn innerlich um einige Zentimeter wachsen.

Die Veranstaltung endete leider genauso, wie sie begann. Der Abflug von SUI und noch zuvor der Sturz seines unpanischen Freundes sorgten für die negativen Highlights und speziell bei nopa waren nicht nur die gesundheitlichen Folgen drastisch.

Der Entschluss, den Helm an den berühmten Nagel zu hängen und die Stiefel an die frische Luft zu stellen sorgte für zahlreiche betroffene Reaktionen. Mag sein, dass damit ein Wemser der ersten Stunde dem aktiven Sport entsagt, dafür hat das Forum aber einen kundigen Organisator mit fundierten Detailkenntnissen hinzugewonnen …

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Im Video sind Ausschnitte eines Trainings aus dem Vorjahr zu sehen. Danke an Chris für die tollen Aufnahmen:

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Kapitelübersicht

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2 Kommentare »

  1. Heyho,
    cooler Bericht, war dieses Jahr auch mal in Villars gewesen 🙂
    Warste auch dort?

    Ciao, zembo

    Kommentar von zembo — Samstag, 17. Juli 2010 @ 11:00 (11:00 AM) | Antwort


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