RICOLETTAS WELT

Mittwoch, 26. August 2009

Ein unmoralisches Angebot

Filed under: Supermoto — RICO @ 06:06 (6:06 AM)

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Ein unmoralisches Angebot

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Die PM kam unerwartet: „Hi Rico, hab mir da was überlegt: Wie du weißt hab ich gerade ne Yamsel zu verkaufen. Außerdem such ich für meine Freundin ne DRZ. Du hast ne DRZ und bräuchtest doch eigentlich mal was Schnelleres….. Passt doch eigentlich ganz gut?!?!?! Hast evtl. Tauschinteresse?“

Ob Rico Interesse hätte? Welche Frage! Die nächsten Stunden verbrachte er damit, im Internet sämtliche verfügbaren Informationen zur YAMAHA YZ 450-F, so das angebotene Modell, zu sammeln. Begeistert, fast euphorisch berichtete er der besten ehemaligen Sozia von allen davon. Ihr Verständnis hielt sich in überschaubaren Grenzen und überhaupt konnte sie ihre Freude erstaunlich gut verbergen.

Die Details zu dem Deal wurden verhandelt und so ergab sich für beide Seiten ein akzeptables Ergebnis. Auch Andy hatte sich irgendwann mit dem Gedanken abgefunden und signalisierte indes sogar ein gewisses Wohlwollen. Ende Januar würde die Abwicklung stattfinden. So wurde es dann auch Zeit, das vernachlässigte Fitnessprogramm wieder aufzunehmen. Denn nun hatte Rico keine Ausreden mehr. Und das letzte sinnvolle Tuning konnte er nur an sich selbst vornehmen.

Ohnedies: Er kämpfte sich auch durch die bürokratischen Hürden, die eines dieser wenig hinreißenden Nennformulare des DMSB bereithält. Wieder einmal war es einer der Erfahrenen, der ihm in einem kurzen Telefongespräch die entscheidenden Tipps gab. Schließlich fand er die notwendigen Unterlagen im Briefkasten, das Warten endete mit dem erhofften Ergebnis. Er hielt ein kleines, scheckkartengroßes Plastikstück in Händen, dass ihn in der anstehenden Saison als Inhaber einer C-Lizenz auswies.

Dann kam abermals alles ganz anders. Eine weitere Nachricht im Postfach musste er vorab mehrfach lesen, um den Inhalt tatsächlich zu begreifen: Der Tausch sollte nun doch nicht erfolgen, die Suzuki war nicht weiter von Interesse. Dessen ungeachtet würde das Angebot, die Yamaha zu den ausgehandelten Konditionen bekommen zu können, trotzdem eine Zeit lang weiter bestehen.

Rico kämpfte die anfängliche Enttäuschung nieder, inserierte bei einer der gebräuchlichen Verkaufsplattformen für Kraftfahrzeuge und kaum zwei Wochen später hatte die Suzuki einen neuen Eigentümer gefunden. Als dieser nach einer ausgiebigen Probefahrt beim Abnehmen seines Helmes nicht gegen dieses bewusste Grinsen ankämpfen konnte, wusste Rico: Die Geisha würde zukünftig einem Anderen dienen. Sein Blick folgte ihr noch lange, als sie, auf den Anhänger geladen, schließlich entschwand.

Abschied - Suzuki DR-Z 400 SM

In der folgenden Woche war es soweit – endlich! Da stand sie also: langbeinig, grazil, und augenzwinkernd herausfordernd – kein seelen- und makelloses Modepüppchen sondern eine echte Grande Dame: Feudal, äußerst attraktiv und dazu erfahren … Ja sicher, Suse war zuverlässig, jederzeit verfügbar, willig – eine Geisha. Aber hier begegnete Rico einer echten Lady mit aristokratischer Ausstrahlung, die hofiert, umgarnt, erobert werden wollte

„Ich war nur schnell mal in der Garage … äääh … wollte nur was nachschauen“, war in den folgenden Tagen der meist gehörte Satz. Rico trotzte dem ungemütlichen Wetter und verbrachte viel Zeit mit der blauen Lady.

… aber ist es nicht merkwürdig? Rico wollte morgens, es musste etwa gegen 4 Uhr 42 gewesen sein, noch mal kurz in die Garage. Da raunzte ihn die bestehe Ehefrau von allen unwirsch an, ob die nächtliche Rennerei jetzt bald mal ein Ende hätte!?! Und was er überhaupt nicht verstehen konnte: Wieso durfte die Yamsel nicht mit ins Schlafzimmer – sie ist doch stubenrein …

Schnee, Schnee, Schnee. Wie erwähnt, war Ricos Verhältnis zur weißen Pracht eher von stiller Begeisterung geprägt. Jetzt, Mitte Februar, würde er lieber mit dem Mountainbike ein wenig den nördlichen Schwarzwald unsicher machen, als sich auf dem ungeliebten Stubenvelo abzuschinden. Und „ungeliebt“ ist dabei noch die freundlichste Formulierung, um die Beziehung zwischen Rico und dem stummen Folterutensil zu beschreiben. Andy meinte zwar, er habe eine „festere“ Figur bekommen – aber die Quälerei wurde dadurch trotzdem nicht erträglicher. Seine Kondition hatte sich dafür spürbar gebessert – immerhin.

Aus den Erfahrungen der letzten Zeit wusste Rico jedoch nur zu gut, wie wichtig eine gewisse Fitness ist, um in diesem Sport wenigstens ein wenig Spaß zu haben – von Erfolg ganz zu schweigen. Um so in die Saison zu starten, wie er sich das vorstellte, wie sein stiller Ergeiz es beanspruchte, wollte er aber wenigstens die Vorbereitung optimal gestalten. Jetzt gab es einfach keine Ausreden mehr.

Oh, wenn es doch nur endlich so weit wäre. Die blaue Lady schaute jedes Mal vorwurfsvoll wenn Rico sie in der Garage besuchte; wollte ihm zu verstehen geben, dass sie nicht den weiten Weg aus Bayern in den Schwarzwald auf sich genommen hatte, um dann tatenlos, unbeschäftigt zu warten.

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Kapitelübersicht

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